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keins mehr gefallen, als welches der römiſche Geſchichtſchrei⸗ ber Livius entwirft. Leſſing trug ſich, wie ich an einem an⸗ dern Orte zeigte, lange mit dem Gedanken, Virginia's tra⸗ giſches Ende für die Bühne zu ſchildern, entwarf auch kurze Scenen, gab aber nachher dieſen Plan zu guter Stunde wie⸗ der anf, oder vielmehr, er moderniſirte eine Virginia und ſchuf ſo„Emilia Galotti“, ſein Meiſterwerk.
15. Cleopatra iſt von lateiniſchen, italiäniſchen, fran⸗ zöſiſchen und engliſchen Dramatikern behandelt und wartet doch noch des Dichters, der ihre in alle Glut einer maßloſen Sinnenfeier getauchte Geſtalt hochpoetiſch wiedergibt. Shake⸗ ſpeares„Antonius und Cleopatra“, aus welchem eine Stelle mitgetheilt iſt, hat wohl den Vorzug. Auch die plaſtiſche Kunſt ſtellte die ägyptiſche Zauberin dar.
16. Thusnelda, Hermanns Gemahlin, vergegenwär⸗ tigt uns die poetiſche Urzeit des deutſchen Landes, wie ſie freilich nur aus der Harfe unſerer Dichter hervorrauſchte. Klopſtocks Name genügt. Schade, daß ſeine Bardiete um⸗ ſonſt nach dem Beifall der Nation rangen. Nicht einmal ein bedeutender Maler mochte Hermann und Thusnelda darſtel⸗
len, als neuerdings Eine der im rheiniſchen Kunſtverein ver⸗
bundenen fünf Städte das Wiederſehen des heimkehrenden Cheruskerfürſten zur Aufgabe eines Preisbildes machte.
17. Die Geſchichte der Märtyrin V. Perpetua wird von mehren der ältern Kirchenſchriftſteller berichtet. Ihr Leben iſt auch erzählt: 1) Vies des peres, des martyrs etc. Ou- vrage traduit de PAnglais. Tome II. Paris 1764. 20 Die Zeugen des Herrn in Seiner Kirche oder Leben der Heiligen Gottes, von A. Schuhmacher. Erſte Hälfte. Mainz 1838.
18. Zenobia begegnet uns bei den römiſchen Geſchicht⸗
ſchreibern der Hiſtoria Auguſta; dramatiſch iſt ſie von dem Spanier Calderon de la Bareca behandelt, aus welchem die Stelle iu Oktaven genommen iſt.
19. 20. Kriemhild und Brunhild aus dem Nibe⸗ lungenliede vergegenwärtigen uns eine in jedem Betrachte große Zeit. Die Verehrung, welche jenes Lied in Anſpruch


