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der Mannigfaltigkeit der Rhythmen ſucht.“ Weber's Erläu⸗ terungen zu klaſſiſchen Dichtungen der Deutſchen, oder Pudor's und Viehoffs Abhandlungen über die Iphigenie Göthe's führen den Beweis vollſtändig.—
10. Nauſikaa tritt uns aus dem Altvater Homer im Glanze göttlicher Jugend entgegen, aber Homer gibt ſie nur als Figur einer Epiſode. Was wird nach der Entfernung des Odyſſeus ihr Loos werden? Darüber wollte Göthe, den ſie unwiderſtehlich anzog, in einem Drama belehren; den unvollendeten Plan Göthe's führte erſt Heinrich Viehoff zu Ende. Beiden ſchließt ſich meine Darſtellung an.—
11. Sappho, von deren Liedern uns die neidiſche Zeit ſo wenig bewahrte, iſt die erſte wirkliche Dichterin in dieſer Mitte. Ihr oft durch Mißverſtändniſſe— ſeltſam genug ſchon im Alterthum!— verdunkeltes Bild nahm ich zum Theil aus Ottfried Müllers Geſchichte der griechiſchen. Literatur oder aus den Nachrichten alter Schriftſteller, zum Theil aus den von ihr erhaltenen lyriſchen Geſängen und fliegenden Verſen. Grillparzers Trauerſpiel iſt theilweiſe ge⸗ lungen; ihm entnehme ich das Eine Lied der Sappho, das Andere überſetzte mir Dr. Zimmermann in Büdingen, dem die Leſerinnen mit mir dafür danken werden.—
12. Dido iſt durch Virgilius, den Sänger des Aeneas, bekannt geworden. Voß und Schiller überſetzten das Epos, der Letztere nur zum kleinern Theil; außerdem lebt Dido in vielen dramatiſchen Stücken. Eine abweichende Sage von Carthago's Gründung gibt Graf Platen.
13. Lukretia gab dem jungen franzöſiſchen Tragiker Ponſard Namen; ſein Trauerſpiel, wiewohl verſchieden be⸗ urtheilt und überſetzt, ſchien mir nach der Bearbeitung von Rudolphi, das Bild der Römerin in richtigſte Beleuchtung zu ſtellen; ich gab dieſer Lukretia den Vorzug.
14. Virginia's tragiſche Geſchichte zittert in allen Herzen nach, die für Freiheit und Unſchuld ſchlagen. Viele Dichter beſonders aus Frankreich ſtellten ſie dar. Aber von dem ſchlichten Hans Sachs bis zu Graf Soden wollte mir


