Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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nutzen ließ. Judith erſchien durch Hebbels Trauerſpiel im magiſchen Glanze; ich habe vieles aus dieſer Dichtung auf⸗ genommen; das Lied der Judith übertrug ich ſelbſt. Urge⸗ waltig iſt der Eindruck, den die helleniſchen Frauen der Mythe und Geſchichte machen; wir ſtaunen vor ſolcher Leidenſchaft. Möchte man nur nicht tadeln, daß ich zu viele Griechinnen einge⸗ führt; denn ungern verſage ich mir, eine Helena, Andromache Penelope, Hekuba, Kaſſandra, Aſpaſia, zu ſchildern, weil ihre Poeſie zum Theil die anderer Völker und Zeiten wiederholt.

7. Antigone, eine der herrlichſten Naturen, ſetzte durch den Verſuch, ein altklaſſiſches Bühnenſtück heute in Scene gehen zu laſſen, alle Freunde der griechiſchen Kunſt in Bewegung, und wenn uns dieſe Verſuche auch kaum einen blaſſen Schatten der helleniſchen Bühne heraufbeſchworen: die Gegenwart wandte ſich doch jenen Merkſäulen eines erhabenen Volksgeiſtes wieder mit neuer Liebe zu. Die Stücke des Sophokles, unter welchen dieſe Antigone, verdeutſchte Donner, Thudichum, Minkwitz, Strauß.

8. Medea habe ich nach Euripides dargeſtellt, denn das goldene Vließ von Franz Grillparzer, ſowie andere drama⸗ tiſche Geſtaltungen, in denen die Kolcherin vorkommt, ſind zu wenig von dem Geiſte des Alterthums erfüllt.

9. Iphigenia wollte ich zuerſt in Aulis, dann in Tauris zeigen; Schillers Bearbeitung des Euripides bot zu jenem, Göthe's Meiſterwerk zu dieſem die Geſtalt. Ich weiß wohl, daß auch das griechiſche Alterthum eine Iphigenia auf Tauris, nämlich von Euripides beſitzt; ich bin aber wohl nicht der Einzige, welcher das Göthiſche Drama vorzieht und es auszuſprechen wagt, Göthe habe hierin die Dichter der Alten überflügelt. Schon der gelehrte Kenner der antiken Tragödie, Gottfried Hermann, ſagt:In der deutſchen Iphigenia glau⸗ ben wir einen Griechen zu vernehmen, der auf der Höhe un⸗ ſerer jetzigen Civilſation ſtehend nicht nur ein reineres und höheres Ideal der Tugend, als Euripides, in ſich hat, ſondern auch den Effekt ſeiner Darſtellung mehr in der Kraft und Fülle der Gedanken, als in dem Schmuck der Worte und