Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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geiſtige Natur die ſeltſamſten Offenbarungen gab. Die Geſchichte ihrer Krankheit bis zum Tode berich⸗ tet Juſtinus Kerner. Wir haben die Aufgabe, die Poeſie ihrer Erſcheinung von dem abzulöſen, was den Arzt oder Magnetiſeur, den Pſychologen oder Theologen oder wer ſonſt für ſolche Mittheilung em⸗ pfänglich ſeyn mag, zunächſt angeht. Kerner iſt hierbei unſer Führer; wir laſſen den Beobachter, ſo⸗ weit möglich, Friedrikens Bild uns ſelbſt ansmahlen. Als er mit der Leidenden zuerſt bekannt wurde, um⸗ gab ihr ſchon vielfach gequälter und zerrütteter Kör⸗ per den Geiſt nur noch wie ein Flor.Sie war klein, ihre Geſichtszüge vrientaliſch, ihr Auge hatte den Stechblick eines Seherauges, der durch den Schatten langer dunkler Wimpern und Augbrauen noch gehoben wurde. Sie war eine Lichtblume, die nur noch von Strahlen lebte. Künſtliche Bildung beſaß ſie nicht; es war bei dem geblieben, was die Natur ihr verlieh. Sie hatte weder eine fremde Sprache, noch Geſchichte, Geographie, Naturkunde oder ſonſt gelernt, was man jetzt den Mädchen auch in Bürgerſchulen mittheilt. Die Bibel und das Ge⸗ ſangbuch blieben ihre einzige Lectüre. Sie ſpielte Klavier.Ihr ſittlicher Charakter war durchaus ta⸗ dellos; ſie war fromm ohne Frömmelei. Auch ihr langes Leiden und die Art ihres Leidens erkannte ſie als Gnade Gottes. Als Gattin ſchien ſie anfangs in das gewöhnliche Leben ſich zu finden, ſo oft es 13