— 284—
Kommt dann der Tag der Freiheit und der Rache: Dann ruft dein Volk, dann, deutſche Frau, erwache, Ein guter Engel für die gute Sache.
Luiſe war eine hohe, edle Geſtalt; das feine, geiſtvolle Geſicht, durch große, hellblaue Augen be⸗ leuchtet, das reiche, blonde Haar in der reizendſten Fülle und die freie, gewandte Haltung erhob ſie zum Range der ſchönſten Frau ihrer Zeit. Selten hat eine Fürſtin wie ſie Alle, die ihr nahen durften, zu bezaubern verſtanden; ſelten fand ſich in ſolchem Maaße Hoheit und Würde, gleichſam nur für den Thron geboren, mit Grazie und ächtdeutſcher Ein⸗ fachheit verſchwiſtert. Was ſie eben war, ſchien ſie immer allein und ſo zu ſeyn, als ob nichts anders ihre Beſtimmung wäre; daher haben Alle, die ſie ſchilderten, nicht gewußt, ob ſie größer als Königin oder als Hausmutter, als tröſtender Engel der Ar⸗ men, Verlaſſenen und Hülfloſen vder als Beſchütze⸗ rin und Kennerin der Künſte und Wiſſenſchaften ge⸗
weſen ſei.— Die Poeſie ihres Bildes und der
Grund, warum ich ſie zu den Frauen zähle, deren Leben eine wichtige Seite des weiblichen Charakters dargeſtellt, iſt jene glühende, verklärte Begeiſterung für die Freiheit und Selbſtſtändigkeit unſers Vol⸗ kes, deſſen Schmach ſie nicht überleben konnte. Mit
Recht ſagt Follen: Vor der Freiheit Frühlingsge⸗
koſe brach dich der Volksſchmach herbſtlicher Wind, treue Luiſe!— Frauen und Mädchen haben in


