Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

276

älteſten Greiſe in dieſen Gegenden erinnern, eine Königin geſehen zu haben, daher glich die Reiſe einem beſtändigen Triumphe oder richtiger einer un⸗ unterbrochenen Reihe von Familienfeſten, in welchen man Vater und Mutter des Landes einführte. Zumal waren die Pommern von ihrer milden Herablaſſung entzückt. In Danzig machten ihr die Bernſteindreher mit einem trefflichen Halsſchmucke aus Bernſtein ein ihr ſehr angenehmes Geſchenk, das ſie lange und mit großer Vorliebe trug; auch in Königsberg erhielt ſie prachtvolle Geſchenke von Bernſtein. Ueberall beei⸗ ferten ſich treue Unterhanen, der reizenden Königin, wenn auch nur die kleinſte Freude zu machen. In ungeſtörtem Glücke verſtrichen noch einige Jahre, während welcher ſie ihren Gemahl auf verſchiedenen Reiſen in ſeine Provinzen begleitete. Im Winter 1805 auf 1806 war Luiſe leidend, daher beſuchte ſie im nächſten Sommer die Bäder zu Pyrmont. Die politiſchen Ereigniſſe ſcheinen gerade damals ſie nicht ſo unmittelbar berührt zu haben, wie man an⸗ nahm. Erſt da ſie im Anfang des Auguſt wieder in Berlin eintraf, erfuhr ſie, Preußen habe den Krieg gegen Napoleon beſchloſſen. Wenn ſie nun dieſen Kampf nicht gewünſcht und die preußiſche Armee nicht beſonders dazu angefeuert hatte, ſo war er ihr doch, einmal beſchloſſen, eine Lebensfrage und ſie nahm mit heldenhafter Begeiſterung an demſelben Theil. Nach kurzem Aufenthalt zu Charlottenburg