Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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nen Gräueln noch eines Eindrucks fähig waren. Mit feuchten Augen hatte ſie den Kerker wieder betreten, aber es war nur der Schmerz über die Unmenſchlichkeit ihrer Richter, keine Klage über ihr eigenes Geſchick. Zum Todesgange kleidete ſie ſich weiß und ließ ihr volles, dunkles Haar bis zum Gürtel herabfallen. Jener Todesgefährte Manons wollte ſinken, noch ehe ſie an das Schaffot kamen; ſie, das Weib, ſprach ihm Muth ein; ſie bat den Henker, jenem zuerſt den Tod zu geben; und als der Henker den Kopf ſchüttelte, fragte ſie mit ihrem unwiderſtehlichen Tone: Kannſt du einer Frau die letzte Bitte verſagen? Er gab nach und nun ſprach ſie zu dem Muthloſen: Geht zuerſt, ſo braucht ihr mein Blut nicht fließen zu ſehen! Auf die⸗ ſem Richtplatze ſah ſie die Statue der Freiheit; ſie neigte ſich vor ihr mit den Worten: O Freiheit! welche Verbrechen begeht man in deinem Namen! So ſtarb Manon Roland. Sie hatte oft geſagt, ihr Gemahl werde ſie nicht überleben. Auch hier trog die Ahndung nicht. Fünf Tage nach Manon's Tod verließ er vom Wahnſinn gepeitſcht das ſichere Aſyl bei ſeinen Freunden zu Rouen; er wollte nicht auf dem Schaffot ſterben, um ſeinem Kinde das Vermögen nicht zu rauben. Unterwegs, noch ehe er Paris erreichte, wog der Schmerz zu ſchwer auf ſei⸗ ner Seele. Er bohrte ſich, an einem einſamen Wege ſitzend, den Dolch in die Bruſt, und ſchien, als man