—
und Gemüthes; die Einbildungskraft und die Welt, die ſchönen Künſte und die Religion, der Glaube und die Vernunft, Alles beſtürmte ſie damals und ſchien den innern Frieden zu rauben. Die Zweifel regten ſich. Vorerſt war es ein Dogma der katho⸗ liſchen Kirche, die völlige Verdammniß der Ungläu⸗ bigen, was ſie nicht aufnehmen konnte; daran weiter hiengen ſich andere Lehrſätze— ſie hörte auf, ein gläubiges Kind der Kirche zu ſein. Ihr Beichtpater, dem ſie die Gährung ihrer Seele zeigte, gab ihr unvorſichtig die Schriften einiger Vertheidiger des Chriſtenthums, die aber den Zweifeln nicht Stich hielten, vielmehr zu neuen ungelöſten Räthſeln an⸗ bahnten. Der chriſtliche Glaube ſchwand, Manon hörte indeſſen nicht auf, die Sittengebote feſt zu halten, am meiſten jungfräuliche Scham und Keuſchheit, wenn auch ihr heißes Blut und die raſtlos arbeitende Phan⸗ taſie dies ſehr ſchwer machte. Der ſtete Kampf der Natur und Sittlichkeit veranlaßte ſie, die Philoſophen zu prüfen, und um eine vernünftige Ausgleichung zu finden, machte ſie ſich mit den widerſprechendſten Syſtemen bekannt. Die Wiffenſchaft ſchien ihr jetzt nur Einen Zweck zu haben, nämlich die Räthſel und Geheimniſſe des Lebens, der äußern und innern Welt aufzuſchließen. Immer ſtieß ſie bei ihren Studien wieder auf republikaniſche Meinungen und der Wahn ſetzte ſich in ihr feſt, als ob nur aus dem Schooße der Republik wahre Tugend und Geiſtesgröße her⸗


