Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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jede hielt ihren Gemahl für den wackerſten Ritter. Kriemhild brach zuerſt das Schweigen: Ich hab' ei⸗ nen Mann, ſo kühn und trefflich, daß ihm alle dieſe Reiche ſollten unterthan ſeyn! Wie wäre das mög⸗ lich? frug Brunhild ſpöttiſch: ja wenn ihr zwei allein lebtet, möcht' es ſeyn, ſo lange aber Gunther lebt, nicht. Schau nur, rief Kriemhild: wie herr⸗

lich er vor dem Recken einhergeht, gleich dem lichten

Mond vor den Sternen ich hab' ein Recht, auf ihn ſtolz zu ſeyn! Brunhild meinte: dennoch mußt du deinem Bruder den Vorrang laſſen; er muß vor allen Königen ſeyn. Kriemhild gab nicht nach; da nannte Brunhild geradezu den Siegfried Gunthers Dienſtmann. Das wird ſich zeigen! rief Kriemhild entrüſtet: man ſoll heute noch ſehen, ob ich vor dem Weibe des Königs zur Kirche gehen darf. Brunhild, gleich erregt, meinte: Soll man dich nicht für dienſtpflichtig halten, ſo mußt du mit deinen Frauen dich von mir ſcheiden, wenn wir zum Münſter gehen! Traun, das ſoll geſchehen! rief Kriemhild. Und es geſchah. Als ſie mit ihrem Gefolge in einer alle Frauen zu Worms überſtrah⸗ lenden Pracht an der Kirchenthüre erſchien, befahl ihr die neidiſche Brunhild, zu warten, weil ſie eines Dienſtmanns Weib wäre. Hätteſt du noch geſchwie⸗ gen, rief Kriemhild zornig: es wäre beſſer für dich. Er dein Dienſtmann? wiſſe, daß er dich überwand, und nicht Gunther, ich kann dir deinen Ring und