denen ſie nachſprang, mit den Geübteſten auf. Längſt hatte ſie, die Herrin und einzige Erbin eines ſchö⸗ nen Landes, bekannt gemacht, wer ihre Hand be⸗ gehre, müſſe drei dieſer Spiele mit ihr beſtehen, und erliege er nur in Einem derſelben, das Haupt ver⸗ lieren. Dieſe gefährliche Bedingung ſchreckte jedoch den König Gunther nicht ab, den Werbezug zu be⸗ ſchließen; er beſchwor Siegfried, ihm dabei behülflich zu ſeyn. Gibſt du mir deine Schweſter Kriemhild, erwiederte dieſer nach einigem Zaudern, ſo will ich es thun und für alle meine Arbeit keinen Lohn wei⸗ ter begehren. So wurden ſie bald einig, Siegfried nahm die Tarnkappe mit, ſteuerte ſelbſt das Schiff den Rhein hinab und am zwölften Morgen kamen ſie an Brunhildens Feſte Iſenſtein, wo Siegfried bekannt zu ſeyn ſchien. Aus dem Fenſter blickte die Jungfrau in ſchneeweißem Gewand, ſie war ſo wohl gebildet, daß ſie der vom Schiff ſorgſam ſpähende König Gunther zum Weibe wünſchte, ohne noch zu wiſſen, wer es ſei. Sie aber trieb ihre Frauen von den Fenſtern, weil ſie bemerkte, wie unabläſſig die Helden heraufſchauten. So nahe dem Ziele regte ſich in König Gunther wieder die Sorge; aber Sieg⸗ fried, den er für ſeinen Dienſtmann ausgab, kam ihm unſichtbar durch die Tarnkappe zu Hülfe. Erſt nun traten ſie vor die Königin. Da ſie den Sieg⸗ fried erblickte, ſprach ſie züchtig: Willkomm, Herr Siegfried, in dieſem Lande! Wem at enere Reiſe,
Nodnagels poetiſche Frauenbilder. II.


