Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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man ein Feſt bei Hofe. Laßt euere Schweſter zu den Gäſten gehen! bat der Held den König und ſeine Brüder. Sie kam diesmal wirklich; ſo tritt der Morgen roth hervor aus trüben Wolken; wie der lichte Vollmond vor den Sternen ſchwebt, ſo glänzte ſie in Wahrheit vor mancher Fraue. Dem Degen Siegfried war es bald lieb, bald wieder leid, denn er wußte nicht, wie ihm geſchah. Er ſtand, als ob er auf ein Pergamen von eines guten Mei⸗ ſters Händen gezeichnet wäre man mußt' es ein⸗ geſtehn, daß man zeitlebens ſo ſchönen Helden nicht geſehen habe. Er neigte ſich züchtig vor ihr, ſie ſchauten ſich mit Augen der Liebe einander an, und ſeitdem zwang ſie ſehnender Minne Noth zu einan⸗ der. Im Münſter hörten ſie mit großem Gefolge die Meſſe; nachher dankte Kriemhild für ſeine treuen Dienſte, er aber gelobte ihr, nie ſein Haupt zur Ruhe zu legen, wann und wo er ihr zu dienen vermöge. Ein Feſt von zwölf Tagen beſtärkte Beide in ihrer Liebe; der Recke wollte zwar noch ein⸗ mal in die Heimath zurück, doch um ihrer Schön⸗ heit willen blieb er, und nirgends ſonſt wäre ihm ſo wohl zu Muthe geweſen, denn er durfte nun täglich Kriemhilden ſehen. Weit über dem Meere in dem fernen Iſenland wohnte dazumal Brun⸗ hild, über die Maßen ſchön und ſtark; ſie ſchoß den Wurfſpeer mit den kühnen Recken um die Wette und nahm es im Schleudern mit ſchweren Steinen,