Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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ſen. Sie erzählte dieſen ſeltſamen Traum ihrer Mutter Ute, und dieſe wußte ihn zu deuten:

Der Falke, das iſt ein edler Mann, Gott wolle ihn behüten, ſonſt iſt es um ihn gethan.

Aber dieſe Deutung ſchien dem jungfräulichen Kinde weder zu gefallen, noch einzuleuchten; ſie fragte ver⸗ wundert: Was ſagt ihr mir von einem Manne, theuere Mutter? Nie will ich die Minne kennen lernen, will ſo ſchön bleiben bis an meinen Tod und nie um eines Mannes willen Kummer und Leid gewinnen. Ach, redet mir nicht mehr davon, denn an ſo viel holden Frauen zeigte ſichs, wie Liebe zu⸗ letzt nur mit Leid lohnt. Tief unten am Rheine auf Burg Santen ſaß König Siegemund und ſeine Gemahlin Siegelind in hohen Ehren. Ihr Sohn war Siegfried, ein ſchneller Degen, ſtark und viel⸗ gewaltig, gleich ſchön an Wuchs und Angeſicht, wie feſt an Muth und Kraft. Als er ſo ſtark war, die Ritterwaffen wohl zu tragen, veranſtaltete ſein Va⸗ ter der König ein Hofgelage, um den jungen Recken in ſeiner Kraft den Edelſten des Landes zu zeigen, und auch in andere Länder ſeinen Ruhm zu verbrei⸗ ten. Denn die Kunde von dieſem Feſte am Hofe flog ſchnell bis in die Ferne, zog Verwandte und Fremde her, denen der König Roſſe und Gewänder gab, wie überhaupt die Milde und Güte des königlichen Paa⸗ res alles Volk gewann. Siegfried hörte damals zu⸗ erſt von Kriemhild, die aller Männer Werben ver⸗