die Gefangennehmung der Herrſcherin des Morgen⸗ landes. Düſter und ernſt frug er ſie, wie ſie hätte wagen mögen, gegen Rom ein Schwert zu erheben. Mit feiner Schmeichelei, doch im ſtolzen Ton ant⸗ wortete ſie: Ich durfte mich nicht herablaſſen, einen Aureolus oder Gallienus für römiſche Kaiſer anzu⸗ ſehen. Nur dich erkenn' ich als meinen Sieger und Oberherrn. Mit lautem furchtbaren Geſchrei ver⸗ langten die Soldaten den Tod des gefährlichen Wei⸗ bes; ſie zitterte, ihr Muth ſank: Ach, das Leben hatte für ſie der Annehmlichkeiten ſo viele geboten, und— das Glück iſt launiſch; die heute als eine Gefangene vor dem Hohne der Sieger ſtand, konnte morgen ihnen den Fuß auf den Nacken ſetzen. Sie dachte nun nicht mehr an ihr Vorbild Cleopatra; ſie gab ihren Ruhm und ihre Freunde preis, ſich ſelbſt zu retten. Aurelian wendete ſeinen vollen Zorn gegen die Männer, welche dem ſchwachen Weibe— er kannte ſie nur als ſolche— gerathen. Longinus, der griechiſche Rhetor, ihr Lehrer und Freund, hatte nicht allein über das„Erhabene“ ge⸗ ſchrieben, er war ſelbſt erhaben über des Glückes Laune und zürnte der Philoſophie nicht, die ſeines Todes Urſache wurde. Aurelian ſprach ihm das Leben ab, weil man in ihm den Verfaſſer jenes übermüthigen Schreibens der Zenobia ſah. Ohne den geringſten Klagelaut ließ der Grieche ſich zur ſchimpflichen Hinrichtung führen, bedauerte die klein⸗
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


