Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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Kriegspfeile kraftlos abprallten. Sein Neffe Mäo⸗ nius, ein trotziger Jäger, ſchoß ſeinen Wurfſpieß vor ſeinem Oheim ab. Dieſer verwieß ihm das un⸗ geziemende Benehmen, Mäonius wiederholte es auf der Stelle und wurde dafür mit kurzer Haft und dem Verluſt ſeines Pferdes beſtraft, was jenes Volk für eine große Schande erachtete. Rache kochte in der Bruſt des Jünglings, bald überfiel er mit eini⸗ gen Genoſſen den Oheim, während dieſer tafelete, und erſchlug ihn und deſſen Sohn. Zenobia ſoll um die Verſchwörung gewußt haben. Dieſer Ver⸗ dacht widerlegt ſich aber vielleicht dadurch, daß ſie den Verräther, welcher den Purpur um ſeine Schul⸗ tern werfen wollte, dem Andenken ihres Gemahls opferte. Von klugen Freunden berathen, beſtieg Zenobia den Thron und herrſchte fünf Jahre im Orient mit eines Mannes Kraft und Umſicht. Der Senat zu Rom hatte dem lebenden und ſiegreichen Odenath Rang und Königstitel gelaſſen, gegen die Wittwe ſchickte er einen Feldherrn, welcher aber Schlacht und Heer verlor und nach Europa heim⸗ kehren mußte. Immermehr zeigte ſich Zenobia's großer Geiſt; ſie wußte ſtets zur rechten Zeit zu lohnen und zu ſtrafen. Man ſchalt ſie geizig, allein bei jeder ſchicklichen Gelegenheit umgab ſie ſich mit jener Pracht, ohne welche kein aſiatiſcher König Gel⸗ tung hat. Die Nachbarländer ſuchten ihre Freund⸗ ſchaft. Zenobia gewann zu ihres Gemahls Be⸗