ſie verſtand außer der lateiniſchen und griechiſchen auch die ſyriſche und ägyptiſche Sprache; nur aus Beſcheidenheit wagte ſie nicht die lateiniſche zu reden. Odenath hatte ſich aus dem Privatſtande durch Tap⸗ ferkeit und Klugheit zum Beherrſcher des Orients emporgeſchwungen. Ihm reichte Zenobia ihre Hand. Mit ihm theilte ſie, wenn der Krieg ruhte, ſein ein— ziges Vergnügen, die Thiere der Wüſte, Löwen, Ti⸗ ger und Panther zu erlegen; ja ſie übertraf ihn da⸗ bei oft an Kühnheit und Schnelle. Stets trug ſie dabei Männerkleidung, ſchwang ſich zu Roß, oder gieng Meilenweit vor ihrem Heere zu Fuße. Ode⸗ nath verdankte ſeine Siege meiſt ihrer Klugheit, ihrer Entſchloſſenheit; ſie verfolgten den perſiſchen Monarchen Schapur zweimal bis an Kteſiphon's Thore, retteten Provinzen und erhielten die Vereh⸗ rung des römiſchen Senats und Volkes, weil ſie ihren gefangenen Kaiſer Valerian gerächt hatten. Denn
Wenn zu Pferd ſtieg Artaxerxes ungezähmten Stolz im Blick, Setzte ſeinen Fuß der König auf Valerians Genick.
Sein Sohn Gallienus, wiewohl in einem üppigen Le⸗ ben wenig um die öffentliche Noth und um Odenaths Siege ſich kümmernd, ernannte den Letztern doch zum Lohne ſeiner Großthaten zum Mitkaiſer. Auch ge⸗ gen die Gothen, welche das Reich in große Gefahr brachten, blieb Odenath Sieger und nahm nun ſeine Reſidenz zu Emeſa in Syrien. Häuslicher Vertath ſollte hier den Helden ſtürzen, an deſſen Bruſt die


