Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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Aſien, deſſen Klima und Sitte ſeit uralten Zei⸗

ten die Frauen zur Unthätigkeit und Dienſtbarkeit verurtheilte, hat außer der fabelhaften Semiramis keine Herrſcherin gekannt, die mit Zenobia, Pal⸗ myra's Königin, zu vergleichen wäre. Von den mace⸗ doniſchen Königen in Aegypten, den Ptolemäern und der Cleopatra entſproſſen, galt ſie für die liebens⸗ würdigſte und heldenmüthigſte ihrer Zeit. Ihr dunk⸗ les Geſicht gewann durch perlenweiße Zähne und die großen, ſchwarzen Augen, die ungewöhnliches Feuer und einnehmende Milde ſtrahlten, einen ganz eigenthümlichen Ausdruck. Die kräftige und wohl⸗ klingende Stimme, mehr noch ein ſcharfer, durch vielſeitige Kenntniſſe bereicherter und verfeinerter Geiſt, verrieth die geborene Herrſcherin. Wechſels⸗ weiſe feſſelten ſie die unſterblichen Geſänge Homers und die Geſpräche Platons, in welche der gelehrte Grieche Longinus, ihr Lehrer, ſie einführte; mit der Geſchichte des Morgenlandes machte ſie ſich vertraut; 1 3