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Störsteffen und sein Sohn, oder: Stolz und Liebe : eine Jugend-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
[Giessen] [2025]
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gen und ſpäter unſern lieben Gäſten ihr Zimmer an⸗ weiſen.

Als nun die beiden Familien Beaulis, die ältere und die neuere Linie, vergnügt um die Abendtafel gereihet ſaßen und einander als treue Freunde zutranken, da ſprach Störſteffen, der Vater:Liebe Blanchette! mein Sohn Stephan! mir kommt es wie ein Traum, nein, wie eine Komödie vor, in welcher wir die Rolle vornehmer und reicher Leute zu ſpielen hatten. Ich bin froh, daß die Komödie aus iſt und daß ich wieder der alte Schloſſer⸗ meiſter Störſteffen bin.

Unſer ganzes Leben gleicht einer Komödie ver⸗ ſetzte der alte Marquis ernſtin welcher wir bald dieſe, bald jene Rolle, traurige und luſtige, übernehmen müſſen, bis endlich der Tod den Vorhang niederfallen läßt und uns zur ewigen Heimath geleitet. Ich werde fuhr er lächelnd fortjedenfalls der Erſte unter uns hier ſein, welcher ſein Theaterkleid ablegen darf.

Nur einen Freund hatte ſich Störſteffen mit ſeinem ungerechten Mammon gemacht und dennoch brachte ihm dieſer Eine ſchon den größten Segen.

Durch des alten Marquis Beiſtand ward Störſteffen Schloſſermeiſter und Bürger in Frankfurt. Wie gut war es, daß er nebſt ſeinem Sohne auch als Marquis noch fort geſchloſſert und ſein Handwerk nicht verlernt hatte! Der Marquisſtand hatte keinen ſo goldenen Boden ge⸗ habt als das Schloſſerhandwerk, das ſeinen Mann redlich und reichlich nährte.