Druckschrift 
Störsteffen und sein Sohn, oder: Stolz und Liebe : eine Jugend-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
[Giessen] [2025]
Einzelbild herunterladen

146

und ſchlief wieder ein. Aber ein nicht minder ſchrecklicher Traum verfolgte ihn abermals. Jetzt ſah er ſich im Sarge liegen und ſeine Enkel weinend an demſelben ſtehen.Nun iſt er todt, unſer Großpapa! hörte er die Kinder ſchluchzen.Ach, wer wird nun für uns ſorgen? Wer wird uns nähren, kleiden und Wohnung geben? Betteln gehen müſſen wir, daß ſich Gott erbarme. Und die letzten Sprößlinge des ruhmvollen, alten Ge⸗ ſchlechts von Beaulis wanderten, in Lumpen gehüllt, vurch die Straßen der Hauptſtadt, bettelten und empfingen hier ein Stückchen Brot, dort arge Scheltworte. Der Marquis im Sarge ſah aus den Bettelkindern junge Diebe werden, ſah ſie von Stufe zu Stufe zu größeren Schandthaten und endlich die Sproſſen Galgenleiter hinaufſteigen. Und indem der Nachrich tet hanfene Schlinge um ſeines Enkels weißen Hals legte, de melte dieſer erſt, dann ſchrie er mit gellender Stmm zu dem gaffenden Zuſchauerſchwarme hinüber:Hierher hat mich mein Großvater, der ſtolze Marquis von Beaulis, gebracht!

Dieſer erwachte, in Angſtſchweiß gebadet. Aus den Lagerſtätten ſeiner beiden Enkel ertönte ein unterdrücktes, klägliches Weinen.

Was giebt's? fragte er beſorgt, indem er ſich die Schweißtropfen von der Stirne ſtrich.

Uns hungert noch immer! verſetzte Franz ſchluchzend.

Eine Weile ſchwieg der Marquis, dann hob er mit feierlicher Stimme an: