Druckschrift 
Störsteffen und sein Sohn, oder: Stolz und Liebe : eine Jugend-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
[Giessen] [2025]
Einzelbild herunterladen

129

einmal leſen, ſchreiben und rechnen? Kennt noch nicht unſern Herrgott und ſeinen Sohn? Nicht die ſchönen Geſchichten aus der Bibel?“

„Nicht doch!“ verſetzte Franz faſt beleidigt.„Den lieben Gott und ſeinen Sohn kennen wir alle beide. Auch die Geſchichte von dem Paradieſe und der Schlange, und 3 von dem verlornen Sohne und von dem barmherzigen Samariter. Wann der Großpapa Abends von Herrn Dupont kommt oder mit ſeiner Arbeit zu Stande iſt, dann erzählt er uns von den heiligen Dingen.“

„Alſo bei Herrn Dupont hält er ſich auf und ar⸗ beitet?“ fragte Störſteffen.„Iſt das der Hofjuwelier Dupont?“

„Habe ich denn das geſagt?“ fragte Franz er⸗ ſchrocken.

„Ja!“ ſprach Helviſe.—„Du haſt dich vergallopirt. Bitte Herrn Störſteffen, daß er ſich gegen den Großpapa nichts merken läßt.“

„Das verſpreche ich“— antwortete Störſteffen— „obſchon arbeiten keine Schande macht. Da arbeitet wohl euer Großvater als Juwelier?“

„Ja!“ ſagte Franz.„Er hat auch die Ohrglocken und Euern Ring und Eures Sohnes Buſennadel gefertigt. Seht, dort im Winkel ſteht ſeine kleine Werkſtatt. Aber er dauert mich ſehr, der gute Großpapa. Bloeß um uns nicht darben zu laſſen, plagt er ſich den ganzen Tag. Er klagt recht, daß ſeine Augen durch die feine Arbeit ab⸗ legten, daß er von dem Dunſt des Schmelzens kurzen

Rieritz. Störſteffen und ſein Sohn. 9