Druckschrift 
Störsteffen und sein Sohn, oder: Stolz und Liebe : eine Jugend-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
[Giessen] [2025]
Einzelbild herunterladen

21

Der Marquis ſah dieſer ſchuldloſen Fröhlichkeit mit blutendem Herzen zu.

Was ſoll ich thun? fragte er ſich.Die Kinder haben mir das Herz ſchwer gemacht und meinen Entſchluß erſchüttert. Sie licben ſich gegenſeitig ſo ſehr, daß ich Alles für ſie fürchte, wenn ſie getrennt würden. Gleich⸗ wohl iſt mir's ſchrecklich, dieſes Leben voll Schande und Entbehrungen noch länger zu ertragen.

Die zärtliche Liebe zu ſeinen beiden Enkeln bewog den Marquis, daß er ſeinen mörderiſchen Vorſatz von einem Tage zum andern verſchob.

Franz dagegen ſprach zu ſeiner Schweſter:Hüten wir uns, dem Großpapa eine Klage hören zu laſſen, da⸗ mit er nicht wieder Luſt zum Sterben bekommt. Ich habe ein Mittel ausgedacht, wie wir zu einigem Gelde kommen und des Großpapa Sorgen vermindern können. Wir ſtehen alle Morgen recht früh auf und durchwandern, wenn es kaum däinmert, die Straßen von Paris. Da wäre es nicht gut, wenn wir nicht dann und wann etwas fänden, das am Abend zuvor verloren gegangen iſt. Be⸗ ſteht der Fund in etwas Anſehnlichem, ſo erhalten wir einen hübſchen Finderlohn von dem Verlierer. Iſt's nur eine Kleinigkeit: ein Geldſtück, ein Handſchuh, ein Taſchen⸗ tuch, eine Manſchette oder ſo etwas, dann hält der Ver⸗ lierer es nicht der Mühe werth, ſeinen Verluſt bekannt zu machen, und wir ſind die rechtmäßigen Herren unſeres Fundes. Und begehrt Jemand unſrer Dienſte, ſo weigern wir uns deſſen nicht, ſondern nehmen gern das mit, was