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Störsteffen und sein Sohn, oder: Stolz und Liebe : eine Jugend-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
[Giessen] [2025]
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in's adelige Fräuleinſtift gekommen iſt erzählte He⸗ lviſeihre dicken rothen Wangen und ihre Fröhlich⸗ keit dazu verloren. Wie ein gefangenes Vögelein blickt ſie durch die Gitterfenſter des Stifthauſes traurig heraus, und da ich ihr neulich zunickte, wiſchte ſie ſich die hellen Thränen aus den Augen.

Aber wandte der Marquis, in ſeinem Vorha⸗ ben erſchüttert, ein,blicket doch umher, Kinder! Se⸗ het, wie entblößt wir von Allem ſind! Betrachtet dieſe nackten grauen Wände, dieſe elenden Dielen, den geſprun⸗ genen, rauchenden Ofen, dieſen einzigen, wackeligen Tiſch, die paar wurmzerfreſſenen Stühle, unſer erbärmliches Lager. Denket an den nahenden Winter mit ſeinen Fröſten und Unannehmlichkeiten, an eure dürftige, abgenutzte Kleidung, an die einfache, ja ungenügende Koſt und vor Allem an das Erniedrigende eurer Lage, die nicht beſſer iſt als die des gemeinſten Pöbels. 8

O das ſind wir ſchon gewohnt verſicherte Franz mit Heiterkeit und nickte lächelnd ſeiner Schweſter zu. Nicht wahr, Helviſe? Köſtlich ſchmeckt das Eſſen, wenn man recht hungrig iſt, und der Schlaf, nachdem man ſich müde gearbeitet oder gelaufen hat. Wenn wir dich be⸗ halten, Großpapa, ſo wünſchen wir's uns gar nicht beſ⸗

ſer. Nicht ſo, Helviſe?

Und Franz erfaßte ſeine Schweſter und begann mit derſelben nach Herzensluſt in dem Stübchen umher zu tanzen.