152 helfen. Aus ſeiner Taſche zog er ein Stück Papier hervor, welches er an dem Lichte der Laterne anzündete, ſolches dann an die dürren Schilfſtengel in ſeiner Nähe hielt und dieſe ſchnell in helle Flammen ſteckte. Knatternd und rauſchend glitt ein Feuerſtrom über die dünne Eisdecke des Rieds da⸗ hin und verbreitete über daſſelbe ein blendendes Lichtmeer. Mit ängſtlicher Spannung folgten ſeinem Weiterdringen die bohrenden Blicke der am Ufer Stehenden.
„Jeſus! Jeſus!“ zeterte Veronel aufkreiſchend—„dort! dort! O mein Herrgott! dort!“
Ja dort! Auch die Uebrigen ſahen, wohin Veronels ausgeſtreckter Arm hinwies. Sie ſahen— und ihre Herzen erſtarrten. Aus der Waſſertiefe des Rieds erhob ſich ein kurzer Stab. Seine Spitze trug einen hölzernen Stern, deſſen fahlgewordene Strahlen im grellen Feuerſcheine wie goldig ſchimmerten. Ueber der Waſſerhöhe hielten zwei Fäuſte den Stab umklammert, während zwei andere Arme einen Gegenſtand umſpannten, deſſen Beſchaffenheit nicht genau zu unterſcheiden war. Denn des Stabes und Sternes nächſte Umgebung ſtellte einen Klumpen vor, deſſen einzelne Beſtandtheile zu ſehr ineinander verſchwammen,
um aus der Ferne deutlich erkannt zu werden. Nur weiße
Hemden und dazwiſchen ſchwärzliche Stellen unterſchie⸗ den ſich. „Wehe! wehe!“ jammerde Veronel händeringend.„Zu ſpät! zu ſpät! Sie ſind todt! Sie regen und rühren ſich nicht mehr! O Jürgele! Jürgele!“ „Ein Kopf erhebt ſich!“ rief Helene lebhaft aus.„Er wendel ſich mit dem Geſicht nach uns! Sieh, ſieh, Tildchen!“
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