151
Und krieche tief unter dein Deckbette und ſtopfe diren
beide Ohren mit Baumwolle zu, damit du von den Räu⸗
bern nichts mehr hörſt und ſiehſt.“
„Habt Ihr das Pfeifen aus dem Ried auch vernom⸗ men, lieber Herr Bernd?“ fragte Veronel haſtig.
„Ja wohl“— erwiederte der Jägerburſche—„ich weiß nicht, was ich davon halten ſoll.“
„Ich weiß es“— wehklagte Veronel—„es ſind die Sternbuben! Sie wollten heute Abend in der Erlenmühle eintreffen und ſind in das Ried gerathen. Mein Bruder Jürgele iſt dabei— ach, beſter Herr Bernd! habt Mitleid mit ihnen und mit meiner Angſt! Erbarmt Euch ihrer, um des Heilandes willen, und unſer Herrgott wird es Euch tauſendfach vergelten.“
Als die Förſterstöchter in Veronels Bitten einſtimmten, ſprach der Jägerburſche zum Knecht:„Gieb mir die La⸗ terne, Görge! Ich werde ſie, wenn du nicht hier warten oder nicht mit uns gehen willſt, morgen bei guter Tageszeit und ohne Schaden nach der Mühle zurückbringen. Nun aber ohne Zaudern darauf los! Ich kenne hier alle Wege und Schliche und gehe darum voran.“
Der Knecht, welcher ſich in der Geſellſchaft des Jägers mit der geladenen Doppelbüchſe für ſicherer hielt, als wenn er allein nach der Mühle zurückkehrte, ſchloß ſich der kleinen Geſellſchaft an, welche den Weg nach dem Ried einſchlug. Das Pfeifen war indeß erſtorben und darum der Jäger⸗ burſche, als man vor dem Ried ſtand, in Ungewißheit, an welcher Stelle er die angeblich verunglückten Sternbuben zu ſuchen habe. Aber der wackere Bernd wußte ſich zu


