138 nach einer warmen Stube, nach einer wärmenden Suppe, nach einem weichen Lager zurück! Nicht verdammliche Hab⸗ ſucht, nur der heiße, kindliche Wunſch, den daheim darbenden Aeltern und Geſchwiſtern eine möglichſt anſehnliche Hülfe zuführen zu können, bewog und ſtärkte die Sternbuben, daß ſie ihr mühevolles Werk noch bis zum Sonnabend und bis zur hereinbrechenden Abenddämmerung fortſetzten.
Der letzte Ort, den die Sternbuben mit ihrem Bitt⸗ und Singumgange heimſuchten, war das Dorf Erlbach. Als ſie, ihr ſaures Tagewerk endlich beſchließend, in gar jämmerlicher Geſtalt und Bekleidung dort vor dem letzten Hauſe ſtanden und mit gänzlich heiſer gewordener Stimme ihre Verſe herbrummten, herquikten und herlispelten, blickten die Hausbewohner mit tiefem Mitleid auf die armen Schelme hin, die mit froſtklappernden Zähnen ihren Dank ſtammel⸗ ten und die Erlenmühle als das Endziel ihrer Wanderung bezeichneten. Fort tappten ſie jetzt durch Schmuz und Schlamm. Baſtians erſtarrte Finger vermochten nicht mehr das Lederbeutelchen aufzuziehen; daher barg er die empfangenen Geldſtücke einſtweilen in ſeiner Hoſentaſche. Hanſel rückte ſeinen Brotſack auf die andere, ausgeruhete Seite ſeines Körpers, und Jürgele, der doch die meiſte Kraft und darum den meiſten Lebensmuth beſaß, zwang ſein Antlitz zu einem matten Lächeln und brummte heiſer ſeinen Gefährten die tröſtenden Worte zu:
Wir woll'n uns wieder wenden!
Der Rheinſtrom geht mit ſtarkem Eis.
Erlmühle heißt ihr Name,
ſie mahlt ihr Mehl mit allem Fleiß.“


