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„Hat Jemand von euch“— fragte der Schulmeiſter ſpäter ſeine verſammelte Schülerſchaar—„die Näther⸗
Chriſtel dieſen Morgen geſehen? Weiß niemand, wo
ſie iſt?“
Ein gemeinſames, verneinendes Kopfſchütteln war die Anwort auf dieſe Fragen.
„Habt ihr ſie auch geſtern nicht zu Geſicht bekommen?“ fragte Beier mit innerer Angſt weiter.
„Als wir aus der Schule heimgingen“— antwortete Jürgele—„lehnte die Näther-Chriſtel mit dem Geſicht gegen ihre Thürpfoſte und ſchluchzte grauſam. Das war noch Vormittags. Später haben wir ſie nicht wieder erblickt.“
„Ich habe ſie geſehen“— hob ein kleines Mädchen an—„am ſpäten Abend noch. Da lief ſie wie be⸗ ſeſſen den Lerchenhügel hinan und immer weiter durch das Hedrich.“
Dieſe Nachricht vermehrte des Schulmeiſters Beſorgniß im hohen Grade, und wenn er heute ſeinen Unterricht in ſichtlicher Zerſtreuung ertheilte, ſo durfte das Niemanden verwundern. Daß Beier's ſchlimme Vermuthung nicht ohne Grund geweſen war, zeigte ſich ſchon des andern Tages, als das Geſchrei durch's Dörflein erſcholl:„Die Näther⸗Chriſtel liegt ertränkt im Unkenloche!“ Dieſes ſo⸗ genannte Unkenloch war ein tiefer Waſſertümpel, von ge⸗ ringem Umfange, der am halben Abhange des Gebirgkam⸗
mes lag und ſeinen Zufluß von deſſen zahlreichen Quellen
empfing.
Da ein ſolcher Vorfall zu den allerſeltenſten im Dörfchen
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