ce
8 25
bekommen hat. Darum kam des Höchſten Sohn als ein
armes Menſchenkind zur Welt zur Erde herab, damit er unſere Schwachheit kennen lerne und mit uns Mitleiden haben könne. Und der Heiland, welcher hier unten nicht ſo viel Raum zu eigen beſaß, wohin er ſein Haupt legen konnte, trat auf die kindliche Einladung unſichtbar in die arme Hütte und hauchte mild den Eſſenden den Gruß zu: „Friede ſei mit Euch!“ Und wiewohl er nicht leiblichen Antheil am Eſſen nahm, ſo ſetzte er, getreu ſeinem Ver⸗ ſprechen: Wo drei in meinem Namen verſammelt ſind, da bin ich mitten unter ihnen— ſich zwiſchen die beiden Klei⸗ nen und ſeine Gegenwart erfüllte die Eſſer mit einer ſeligen Heiterkeit, über deren Urſache ſie ſich ſelbſt keine Rechen⸗ ſchaft ablegen konnten.
Wie ganz anders war's in der Wohnung, welche die Mutter des verbrecheriſchen Näther⸗Hans innehatte! Die unglückliche Frau, welcher man bei der Erziehung ihres einzigen Kindes weiter keinen Vorwurf als eine zu große Nachſicht machen konnte, ſaß mit dick verweinten Augen auf einem Holzklotze in ihrer Hütte. Sie hielt die Hände über ihren Knieen gefaltet, und den ſtarren Blick zur Erde ge⸗ heftet. Ihr Mann war frühzeitig geſtorben und hatte ihr einen erſt dreijährigen Sohn zurückgelaſſen, deſſen Aufer⸗ ziehung und Erhaltung ihr die ſchwerſten Opfer an Zeit, Mühe, harter Arbeit, an ſchlafloſen Nächten und fortdau⸗ ernden Entbehrungen gekoſtet hatte. Und jetzt, wo der herangewachſene, kräftig gediehene Sohn die Stütze ihres Alters und ihrer zunehmenden Hinfälligkeit ſein ſollte, waren es ſeine Verbrechen, welche der Mutter das Herz brachen,


