20
mich rühmen dürfen. Alſo geh' und frage meinen Vater, was er dir für einen ſolchen Stiefel zahlen will. Ich denke doch, daß es nicht gar zu viel über zwei Kreuzer ſein wird.“
Hanſel ging und kehrte nach kurzer Weile ohne den Stiefel und mit 2 ½ Kreuzer in der Hand zurück.
„So viel habe ich bekommen“— ſprach er, ſeinen Schatz vorzeigend.
„Gut!“— verſetzte Jürgele—„zwei Pfennige muß ich ſchuldig bleiben. Hier haſt du einſtweilen zwei Kreu⸗ zer.“ Er holte aus ſeiner Weſtentaſche ein vielfach zu⸗ ſammengelegtes Papier hervor, aus welchem er endlich die zwei Geldſtücke zu Tage förderte und ſie dem Hanſel einhän⸗ digte. Baſtian und Hanſel ſahen noch mit an, wie Jür⸗ gele den erhandelten Stiefel außen vor der älterlichen Hütte unter einem Reißighaufen verſteckte und dann in jener ver⸗ ſchwand. Auch die beiden Knaben trennten ſich jetzt und jeder von ihnen folgte mit ſeinem Wege zugleich ſeinen Ge⸗ danken über die eben verhandelte Sache. Beide hatten noch nie um die Geburtstage weder des Vaters noch der Mutter ſich bekümmert, noch vielweniger dieſelben durch eine Feſt⸗ gabe, ja nicht einmal durch einen Glückwunſch gefeiert, der ihnen keinen Heller koſtete. Veronel's und Jürgele's Bei⸗ ſpiel machte ſie nachdenklich und ſpornte ſie zur Nach⸗ eiferung an.
Baſtian nahm im Weitergehen einen am Wege liegen⸗ den Stecken auf, mit welchem er gedankenvoll und wieder⸗ holt auf den Erdboden ſchlug, bis er zuletzt auf ein Anmeiſenneſt traf, das, aus lockerem Sand beſtehend, durch dieſen Schlag in ſeinen Grundfeſten erſchüttert wurde. An


