geben will, zahle ich dir auch. Ich brauche juſt einen ſol⸗ chen Stiefel.“
„Wozu denn?“ fragte Hanſel neugierig.
„Eigentlich iſt das ein Geheimniß“— antwortete Jür⸗ gele—„wenn ihr beide mir aber heilig verſprecht, nicht ein einziges Wörtlein auszuplaudern, ſo will ich's euch ent⸗ decken. Aber ein Schurke, wer nicht ſchweigt.“
„Ich ſage nichts!“ betheuerte Hanſel.
„Und ich mag lieber gar nichts hören“— ſprach Ba⸗ ſtian träumeriſch.
„Ich habe dich für meinen Freund erklärt“— erwie⸗ derte Jürgele ernſthaft—„und als ſolcher ſollſt du mein Geheimniß erfahren und bei dir behalten. Höret alſo! Meine große Schweſter Veronel ſtrickt meinem Vater zu ſeinem Geburtstage ein Paar Sonntagsſtrümpfe. Darauf thut ſie ſich ſtolz und freut ſich ſchon im Voraus auf die großen Augen, die mein Vater darüber machen wird. Nun, ich will hinter meiner Veronel nicht zurückſtehen und darum meinem Vater ein Paar Holzſchuhe zuſammennageln, das ſich gewaſchen haben ſoll. Es ſoll mein erſter Verſuch wer⸗ den, ob ich ganz allein ein Paar Holzſchuhe zuſammen⸗ bringe. Dazu nun brauche ich das Oberleder von deinem Stiefel, von dem ich hoffe, daß es zwei derbe Kappen her⸗ geben werde.“
„Nimm ihn umſonſt“— ſagte Hanſel, der ein etwas leichtſinniger, aber ſonſt gutherziger Bube war.
„Nein, das will ich nicht“— ſprach Jürgele abweh⸗ rend—„meine Veronel bezahlt das Strumpfgarn auch aus ihrem Beutelchen und ſie ſoll ſich keines Vorzugs über


