Druckschrift 
Stern, Stab und Pfeife / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

nebſt ihrem Gefangenen anſtarrten. Da erachtete es der Schulmeiſter für ſeine Pflicht, ſeiner jugendlichen Heerde nachzufolgen und bald überrägte der geiſtliche Hirte ſeine Lämmer, wie eine thurmgezierte Dorfkirche die niederen Bauerhütten umher. Aus den übrigen Nachbarhütten traten jetzt deren Bewohner voll Neugierde herzu. Ihre Mienen drückten abwechſelnd Furcht und Freude aus, die ſie ſich nur durch leiſe Worte einander gegenſeitig mittheilten, weil Jeder von ihnen den berüchtigten Räuber, ſelbſt in ſeinem gefeſ⸗ ſelten Zuſtande, noch immer fürchtete und deſſen Entkommen nicht für unmöglich erachtete.

Der Gefangene, ein noch junger Mann von ſchmäch⸗ tigem, jedoch kräftigem Körperbau, ſah ſich den ſtarren, durchbohrenden Blicken einer anſehnlichen Zuſchauermenge bloßgeſtellt, daher er ſein Auge bald zu Boden ſenkte, bald trotzig und mit wildem Ausdruck auf ſeine Umgebung heftete.

So alſo ſah ein Räuberhauptmann und Mörder aus, der ſeit geraumer Zeit ſchon das Land in Schrecken ſetzte

und bisher allen Nachſtellungen glücklich entgangen war!

Wie ſtraff der in's Fleiſch einſchneidende Strick um ſeine auf den Rücken gebundenen Hände geſchlungen war, ſo daß dieſe roth⸗blau und angeſchwollen ausſahen! Wie erhitzt und in Schweiß gebadet Näther⸗Hans war, weil er zwiſchen den Pferden, und mit ihnen gleichen Tritt einhaltend, hatte lau⸗ fen müſſen! An die Stelle der Freiheit, der weiten, offenen Fluren, des heimelnden, duftigen und grünen Waldes trat nun bald der dunkle, enge und dumpfigfeuchte Kerker mit ſeinen Eiſengittern, ſeinen feſt verriegelten Thüren und

1.