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Stern, Stab und Pfeife / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Ziegen deſto häufiger hörbar wurde. Eine Frau oder eine

junge Maid, welche entweder den ſchweren Waſſereimer in

den Ziehbrunnen hinabließ oder ihre Schöpfkannen in

die ſeichten Wäſſer eines durch die Wieſenmatten daher

murmelnden Bächleins tauchte, belebte nur wenig das ein⸗

förmige Landſchaftsgemälde, obſchon der Sommer ſeine

warmen, hellen Fittiche über daſſelbe ausgebreitet hielt.

Endlich zeigte ſich mehr Leben in dem Dörflein, das den

Namen Lug führte und im goſſersweiler Thale der Rhein⸗

pfalz, in dem ſogenannten Weſtrich, lag. Ein ſchon be⸗

jahrter Mann, der ſich in ſeinem Anzuge durch nichts weiter

als durch ein ſchwarzes Käppchen auf ſeinem weißbehaarten.

Haupte von den übrigen Dörflern unterſchied, trat aus

ſeiner niederen Hütte und zwar mit zwei hölzernen Häm⸗

mern in den Händen. Mit denſelben begann er auf ein

Bretſtück von hartem Holze zu ſchlagen oder zu trommeln,

welches neben der Zaunthüre aufgehängt war und gleich⸗

ſam die Stelle der fehlenden Thurmuhr vertrat. Nachdem die Hände des Greiſes ermüdet waren, machte derſelbe eine Pauſe, um ſpäter noch zweimal ſein Trommeln zu wieder⸗ 3 holen, das, trotz dem Nebel und der dicken Luft, vernehmlich 6f über die umhergeſtreuten Hütten erſcholl. Deren Thüren thaten ſich nun auf, um die liebe Jugend herausſtrömen zu laſſen, womit das arme Walddörfchen überreich geſegnet war. Knaben und Mädchen, größere und kleinere, aber alle friſch, geſund und rothbäckig, wanderten, die Schiefer⸗ tafel und ein abgenutztes Schulbuch unter dem Arme, ein Stück Schwarzbrot, mit weißem Quarg überſtrichen, auf jenem tragend, dem elenden Schulhauſe zu, welches jetzt zur