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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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fallen müſſen. Prinzeſſin Wilhelmine war voll Trauer dem älterlichen Zwiſte, wegen ihrer Zukunft, aus dem Wege und in den Schloßgarten hinabgegangen, wo ſie ſich in dieſelbe Laube ſetzte, in welcher ſie als ſechsjähriges Kind der Leſer früher geſehen hat. Hier verſank ſie in tiefe Gedanken, aus welchen ſie nicht eher erwachte, als bis ſie ſich von hinten am Haare gerauft und von einem heißen, übelriechenden Athem angehaucht fühlte.

Beim haſtigen Umdrehen erkannte die Prinzeſſin o tödtlicher Schreck! in dem Haarraufer einen der Bären, welche noch immer die Gartenwächter abgaben, wegen ihrer auf den Rücken gebundenen Vordertatzen aber unſchädlich waren. Dieſer Petz jedoch, welcher ſich als tölpiſcher Haar⸗ künſtler bewies, war ungefeſſelt oder hatte ſich vielmehr ſeiner Bande zu entledigen gewußt, wie die Enden des von ſeinen Vordertatzen herabhängenden Strickes anzeigten.

Unter einem lauten Aufſchrei war die Prinzeſſin von der Steinbank aufgeſprungen und entrann der ihr drohenden gefährlichen Umarmung des Bären, der aber ſeinerſeits die Flüchtige einzuholen ſtrebte und deshalb auf allen Vieren hitzig und unter gewaltigem Brummen nachjagte. Obſchon Petz, des freien Gebrauches ſeiner Vordertatzen ſeit langer Zeit beraubt, nicht ſo ſchnell wie ſonſt auf allen Vieren lau⸗ fen konnte, ſo würde er dennoch die Prinzeſſin, welcher der Schreck ſchwere Bleigewichte an die fliehenden Füße heftete, ſehr bald eingeholt und ihr übel mitgeſpielt haben. In dem Augenblicke, da die Prinzeſſin erſchöpft zu Boden fiel und ihr vierbeiniger Verfolger nur noch wenige Schritte von ihr entfernt war, warfen ſich ihm zwei Mädchen entgegen,