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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Dieſer entſetzliche Schlag ſiel wie ein Blitz vom blauen Himmel hernieder und ſchmetterte die vielgeprüfte Mutter zu Boden. Kaum daß die arme Frau wieder zu ſich gekom⸗ men war, übergaben ihre beiden Töchter ſie der Obhut einer treuen Nachbarin und pilgerten dann mit beſhelten Schrit⸗ ten aus Berlins Mauern.

Der König hielt ſich zu jener Zeit nebſt ſeiner Familie in Wuſterhauſen auf. Es hatte eben zwiſchen ihm und der Königin ein heftiger Auſtritt ſtattgefunden, und zwar war die Prinzeſſin Wilhelmine die unſchuldige Urſache davon geweſen. Der König wollte dieſe ſeine Tochter entweder mit dem Markgrafen von Schwedt oder dem Herzoge von Weißenfels verheirathet wiſſen, die Königin dagegen mit dem Sohne des engliſchen Königs. Dieſe verſchiedene Willens⸗ meinung war der Zankapfel des Königspaares. Die Prin⸗ zeſſin ſelbſt hatte dabei gar keine Stimme. Dieſe hatte von den genannten drei Freiern um ihre Hand ſo viel Nachthei⸗ liges vernommen, daß ſie nur mit dem höchſten Widerwillen an eine Verbindung mit einem von ihnen dachte. Die arme Prinzeſſin war recht übel daran. Auf der einen Seite wurde ſie von ihrer Mutter mit Thränen beſchworen, den beiden, ihr vom Könige vorgeſchlagenen Prinzen doch ja ihre Hand zu verſagen; auf der anderen dagegen bedrohte ſie der König mit der vollen Wucht ſeines Zornes, dafern ſie ſich ſeinem Willen nicht fügen würde. Wem ſollte nun die Prinzeſſin gehorchen?

Hieraus erſieht der Lſer abermals, wie wenig die höch⸗ ſten Perſonen zu beneiden ſind, da ihre Neigungen gewöhn⸗ lich der nſ und dem Staatsvortheile zum Opfer