„Mich willſt Du ſchlagen, Knabe? mich?“ antwortete der Alte, und unter ſeinen buſchigen Augenbrauen blitzten zwei Augen durchbohrend auf den Unterofficier ein.
Dieſer ſtarrte einige Secunden ſchweigend und beſtürzt in das ſchmutzig bleiche, wildbärtige Antlitz des Gefangenen. „Wer ſeid— wie heißt Ihr?“ fragte er dann mit zittern⸗ den Lippen.
„Kennſt Du mich nicht?“ lachte der Alte bitter.„Nun, mir gings eben ſo, bis ich Deinen Namen nennen hörte. Ich bin auch ein Meſſenbach und mein Vorname lautet Theodor! He! wirſt Du mich nun noch mit Deinem Stocke bedienen wollen?“
„Um Gotteswillen, Vater! Sie ſinds?!“ rief der junge Mann voll tödtlichen Schreckens aus.„Warum muß ich Sie hier finden? Was haben Sie verbrochen?“
„Soll der Vater ſeinem Söhnchen die Beichte ſeines Sündenregiſters ablegen?“ höhnte der Alte.„Frage darum
den Feſtungskommandanten oder die Gefangenenliſten, aber
nicht mich. Ei, wie ſich nun ſchnell das Blättchen gewendet hat! Jetzt läßt Du Dir mein Du gefallen, während Dein grobes Ihr in das höfliche Sie ſich verwandelt hat.“
Hier näherte ſich der wachhabende Leutnant mit raſchen Schritten dem ſich wiedergefundenen Paare und ſagte mit verweiſendem Tone:„von Meſſenbach, warum ſchwatzen Sie mit dem faulen Kerle da, anſtatt meinem Befehle nach⸗ zukommen?“
„Verzeihen Sie, Herr Leutnant,“ antwortete der junge Mann voll tiefer, innerer Bewegung,„dieſer Unglückliche hier iſt— mein— Vater!“
Prinzeſſin und Dienerin. 9


