Druckschrift 
Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

während die männlichen außerhalb derſelben, jedoch im Be⸗ reiche der Feſtung, ihr Tagewerk vollbringen mußten.

Eines Tages bemerkte der die Gefangenenwache befeh⸗ ligende Leutnant, daß ein ſchon bejahrter Gefangener ſeine Schaufel aus den Händen gelegt hatte und, auf einem Erd⸗ haufen ſitzend, der Ruhe pflog.

Von Meſſenbach! rief der Leutnant einem jungen Unterofficier laut zu,jagen Sie den wildbärtigen Kerl dort von ſeinem Erdhaufen auf, und wenn er die faulen Knochen zu rühren ſich weigern ſollte, ſo zählen Sie ihm eine Tracht Stockprügel auf.

Hans von Meſſenbach, der es in einer verhältnißmäßig kurzen Dienſtzeit, und zwar lediglich durch ſeinen Eifer und Fleiß bis zum Unterofficier gebracht hatte, gehorchte der empfangenen Weiſung. Er näherte ſich dem müßigen Alten und redete ihn mit ernſter, jedoch milder Stimme an:Steht auf, Alter, und nehmt Eure Arbeit wieder auf. Der Feier⸗ abend iſt noch fern.

Von Meſſenbach heißt Du? fragte der Züchtling, ohne ſeinen Sitz und ſeine Unthätigkeit aufzugeben.Hans von

Meſſenbach? wiederholte er ſeine Frage.

Darnach habt Ihr gar nicht zu fragen, erwiederte Hans,und wie dürft Ihr Euch überdies unterſtehen, mich mit Du anzureden?

Weil mir es ſo beliebt, verſetzte der Züchtling kalt.

Auf! an Eure Arbeit! oder Ihr zwingt mich, Euch meinen Stock fühlen zu laſſen, rief der junge Mann voll Unwillen aus.