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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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von ihnen nichts weiter als die Kenntniß der weiblichen Ar⸗ beiten und der Hausführung verlangte.

In der That begehen diejenigen Frauen und Jungfrauen einen großen, überaus tadelnswürdigen Fehler, wenn ſie über dem Bücherleſen, namentlich der oft ſchädlichen Romane, und über dem Studium der ſchönen Künſte ihre weiblichen Obliegenheiten mehr oder weniger vernachläſſigen. Auf der andern Seite darf man über der Sorge für das eigene und der Unſrigen körperliche Wohl nicht ganz die geiſtige Bildung hintenanſetzen. Beſonders verlangt man eine ſolche vor⸗ zugsweiſe von einer Fürſtentochter und nicht zugleich, daß dieſelbe ſich auf das Kochen, Backen, Waſchen, Mangeln, Plätten, Hühnermäſten und Gurkeneinlegen verſtehe. Die hier nicht richtige Anſicht des Königs bewirkte, daß deſſen Töchterchen, allerdings mit Vorwiſſen ihrer Mutter, ihre Leſebücher unter allen Tiſchen und Betten ihrer nächſten Um⸗ gebung vor den väterlichen Augen verſteckt hielt..

Die jungen Leſer und Leſerinnen erſehen aus dem eben Erzählten, daß die preußiſche Erbprinzeſſin eben kein be⸗ neidenswerthes Leben führte, und daß die Kinder der ärm⸗ ſten Bürgerfamilie mehr Freiheit und Frendengenüſſe haben als jene. Dem drei Jahre jüngern Erbprinzen, dem nach⸗ her ſo berühmt gewordenen Friedrich II., erging es ungleich übler noch als deſſen Schweſter Wilhelmine, indem ihn von ſeiner erſten Lebenszeit der König nicht gewogen war und dieſer deshalb den kleinen Prinzen überaus hart und un⸗ väterlich behandelte. Hierdurch gewöhnte ſich Friedrich II. ein verſchloſſenes, mürriſches, ja faſt feindſeliges Weſen und Benehmen gegen ſeinen Vater und gegen deſſen Günſtlinge