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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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43 viel Selbſtüberwindung anwendeten, um unſerm Herrgott zu gefallen!

Wer, wie z. B. der Herzog Leopold von Deſſau und der Herr von Seckendorf, das Rauchen durchaus nicht vertragen konnte und doch gleichwohl ſich von dem Tabakscollegium nicht ausſchließen wollte, mußte wenigſtens die Pfeifenſpitze in den Mund nehmen und ſich als rauchend ſtellen.

Nach geendigter Abendmahlzeit, die nicht lange währte, ging der König nochmals in das Tabakscollegium, wo er die Nacht hindurch, oft bis früh vier Uhr, verweilte. Empfand einer oder der andere Raucher Hunger, ſo durfte er aus dem Rauchzimmer in ein Nebengemach gehen, wo er kalten Bra⸗ ten, Butterbrot und ein Glas Wein zu ſich nehmen konnte. Der König haßte die Franzoſen ſo ſehr, daß ſich dieſer Haß ſelbſt bis auf die franzöſiſchen Weine erſtreckte, die deshalb vom preußiſchen Hofe ausgeſchloſſen blieben, dagegen Rhein⸗ vud Ungarweine deſto beliebter waren.

Die arme kleine Prinzeſſin durfte ſich nicht eher zu Bette begeben, als bis der König aus dem Tabakscollegium, oftmals ſpät genug, nach Hauſe zurückkehrte. Dieſe lang⸗ weiligen Stunden verbrachte die Königin mit ihrer und ihrer Tochter Oberhofmeiſterin, welche die beiden einzigen ſie um⸗ gebenden Damen waren und mit ihr Karte ſpielten. Prinzeß

Wilhelmine, welcher erſt im März 1716 eine kleine Schwe⸗ ſter geboren wurde, unterhielt ſich dagegen mit ihren Büchern, von denen ſie eine ziemlich große Sammlung beſaß. Aber dieſelben durfte ſie ihrem königlichen Vater nicht ſehen laſſen, weil derſelbe bei den Frauen die Gelehrſamkeit haßte und