Drittes Kapitel. In Potsdam.
Der König war nebſt ſeiner Familie von Wuſterhauſen nach Potsdam übergeſiedelt. Mit ihnen zugleich auch Frau von Meſſenbach nebſt ihren Töchtern, von denen die jüngere, Eleonore, nicht ſelten die Geſpielin der jungen königlichen Prinzeſſin abgab. Jedoch durfte der König von dieſer Ver⸗ günſtigung nichts erfahren. Helene und Eleonore von Meſſenbach hatten ſich nicht ohne ſchmerzliche Bewegung von ihrem alten Leidensgefährten, dem Bär in Wuſterhauſen, getrennt und ihn der Pflege ſeines Wärters auf das Wärmſte empfohlen.
Wenn in der Gegenwart die Bewohner königlicher Schlöſſer erſt um fünf Uhr ihre Mittagsmahlzeit zu halten und dann die Nacht zu den Tagesbeſchäftigungen zu ver⸗ wenden pflegen, um dafür den ganzen Vormittag im Faul⸗ bette zu verbringen, ſo war das zu jener Zeit am preußi⸗ ſchen Königshofe nicht ſo. Obgleich mit dem Herannahen des Herbſtes die Tage kürzer geworden waren, ſo ſchreckte doch ſchon früh um ſieben Uhr ein anhaltender, entſetzlich dröhnender Trommelwirbel, der durch alle Gänge des Schloſ⸗ ſes wanderte und vor jeder verſchloſſenen Thüre erneuert wurde, auch die vornehmſten Schläfer auf. Zu gleicher Zeit begann das Leibregiment des Königs, aus lauter Rieſen be⸗
ſtehend, ſeine Uebungen dicht vor den Fenſtern derjenigen


