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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Dieſes für die Herren Petze ziemlich qualvolle Berfah⸗ ren wurde jeden Morgen vorgenommen und nur bei der Fütterung und nach überſtandenem Tagewerk wieder aufge⸗ hoben.

Frau von Meſſenbach bekam dieſes Kerkermeiſteramt bei ihrem alten Bär ſo lange übertragen, als bis derſelbe ſich an ſeinen neuen Wärter gewöhnt hatte und geduldig in deſ⸗ ſen Willen ſich fügte. Da Frau von Meſſenbach, trotz ihrer tiefen Geſunkenheit, doch noch ihre frühere Bildung, auch ihre beiden Töchter vor geiſtiger Verwahrloſung bewahrt hatte, ſo theilte ſie die Königin ihrer weiblichen Dienerſchaft zu, erlaubte ihr auch zugleich, ihre beiden Töchter bei ſich im königlichen Schloſſe zu behalten.

Frau von Meſſenbach bewies ihre Dankbarkeit für ſo viel Gnade durch die muſterhafteſte Dienſttreue gegen ihre hohe Herrin und würde für bieſel lbe ſogar ihr Leben willig gelaſſen haben.

Hans von Meſſenbach, der ſchon in ſeiner früheren Ju⸗ gend zu einem Häkchen ſich gekrümmt hatte, war in reiferen Jahren zu einem Haken geworden, der in die Fußtapfen ſei⸗ nes Vaters trat, dieſem und ſeiner Mutter den Gehorſam aufſagte und der älterlichen Aufſicht durch die Flucht ſich

entzogen hatte.