Druckschrift 
Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

38

und bei ihr eine dringende Fürbitte für die unglückliche Fa⸗ milie einlegte. Auch die Königin blieb nicht ungerührt bei dem tiefen Elende einer Adelsfamilie, deren Haupt ihrer Tochter Wilhelmine einſt eine ſo glänzende Zukunft geweiſ⸗ ſagt und gewünſcht hatte. Von ihrer Mutter angefeuert und ermuthigt, wendete ſich nun die Prinzeſſin mit ihrem Gnadengeſuche an ihren königlichen Vater. Aber dieſer entgegnete ſtreng:„Wilhelmine, zweimal des Tages darfſt Du mir nicht mit dergleichen Bitten kommen. Einmal habe ich Dir heute ſchon den Willen gethan und damit genug!“

Aber die Prinzeſſin bat, ſchmeichelte und gelobte ſo viel von Folgſamkeit, Fleiß und Dankbarkeit, wobei ſie von den Bitten ihrer Mutter kräftigſt unterſtützt wurde, daß der König zuletzt ſich erweichen ließ und das fernere Schickſal der Frau von Meſſenbach und deren Kinder in die Hände der Königin legte.„Aber,“ ſetzte der Monarch drohend hinzu,„bekomme ich den ſaubern Meſſenbach in meine Hände, ſo muß derſelbe hängen ohne Gnade und Barmherzigkeit.“— 3

Bekanntlich ſagt man den Nürnbergern nach, daß ſie Niemanden eher hängten als bis ſie ihn hätten. Nicht beſſer ergings dem Könige von Preußen, der darum ſeine Drohung an den durchgebrannten Meſſenbach nicht wahr machen konnte, weil dieſer glücklich den nahen, dichten Wald erreicht hatte und darum ſeinen Verfolgern entwiſcht war.

Dos halbe Dutzend Bären, welche gleichſam als Wäch⸗ ter den königlichen Garten zu Wuſterhauſen bevölkerten, machte man, wie ſchon erwähnt, dadurch unſchädlich, daß man ihnen das Beißen durch einen Eiſenring, das Kratzen durch das Rüswärtshigden ihrer Vordertatzen verwehrte.