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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Eversmann aber ging, dem König die eben vernommene Ausſage der vormaligen Edelfrau zu hinterbringen und richtete dadurch bei der hohen Verſammlung kein geringes Staunen an.

Prinzeſſin Wilhelmine, ihren Bruder Fritz an der Hand, näherte ſich jetzt der Bärenmutter ſammt deren Töchtern, und während ſie die innig ſich umſchlungen haltende Gruppe mit großer Theilnahme betrachtete, vernahm ſie, wie die ihr an Jahren gleiche, jüngere Tochter Meſſenbachs tröſtend zu ihrer Mutter anhob:

„Weine doch nicht, liebe Mutter! Der Vater iſt ja fort

und kann mich und Helene nicht mehr zwingen, in die häß⸗ lichen Bärenfelle zu kriechen und uns von Dir einnähen zu laſſen. Weil Du dabei allemal ſo ſehr weinteſt, ſo habe ich und Helene unſern Abſcheu dagegen gar nicht ſehr merken laſſen und um Deinetwillen die Hitze in den dicken Pelzen tapfer ertragen. Ach, ich dachte jedesmal in der Bärenhaut erſticken zu müſſen, weil mir der Vater ſo viel Werg vor den Mund ſtopfte, damit der ſonſt leere Bärenrachen ausgefüllt würde.“

„Ja, weine nicht mehr, Mutter!“ tröſtete Helene. „Selbſt im Zuchthauſe kann es uns nicht ſchlimmer ergehen als bisher. So viel Prügel, als uns der Vater verab⸗ reichte, bekommen wir kaum im Zuchthauſe, und weit lieber

will ich jede Arbeit verrichten, als länger auf v Seit tanzen.“

Hier eilte die Prinzeſſin voll des tiefſten Mitleids und mit Thränen in den Augen zu ihrer königlichen Mutter

zurück, welcher ſie das eben Vernommene treu wieder erzühlte

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