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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Stoffen hatte laſſen, zog die Frau den Saum ihres Kattunkleides unter dem alten Tuchmantel hervor und be⸗ gann mit zitternden Händen und gewaltſam das Unterfutter

des Kleides aufzutrennen, ſo daß die verſteckten Goldſtücke

zu Tage kamen.

„Wie biſt Du zu den neuen Ducaten gekommen?“ forſchte Eversmann.„Gewiß ſind ſie ebenfalls geſtohlenes Gut!“

„O nein, mein gütiger Herr!“ antwortete die Frau. „Sie ſind ein Geſchenk des vorigen Königs.“

„Des vorigen Königs?“ fragte Eversmann ungläubig. „Das iſt eine Lüge!“

„O nein!“ entgegnete die Frau.„Mein Mann verfaßte vor ſechs Jahren auf die Geburt der Prinzeſſin Wilhelmine ein glückwünſchendes Gedicht und erhielt dafür von deren Groß⸗ vater ein Gnadengeſchenk von 1000 Ducaten. In dem erſten Freudenrauſche darüber ſchenkte mir mein Mann 180 Stick davon, die ich ihm aber, bis auf die verheimlichten 22, wieder zurückgeben mußte, nachdem er auf eine finnloſe Weiſe die ſeinigen verſchwendet hatte.“

„Wie heißt Dein Mann?“ fragte Eversmann geſpannt⸗

„Seitdem er bis zum Bärenführer herabgeſunken war, nannte er ſich Pliskowiz; ſein wahrer Name iſt von Meſſen⸗ vach,“ erzählte die unglückliche Frau unter heißen Thränen.

n dieſem Augenblicke rief der König, welcher ſich bis⸗ her mit der Königin und ſeiner Umgebung über den ihnen Allen geſpielten Betrug unterhalten hatte, ſeinen Kammer⸗ diener zu:„Eversmann, ſorge dafür, daß die Bärenmutter ſammt ihrer Brut ſofort nach dem Zuchthauſe abgeführt werde“