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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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daß Dein Kleid von Baumwolle iſt, deren Gewebe zu tragen der König bei nahmhafter Strafe unterſagt hat. Vor wenig Stunden erſt wollte er mit höchſteigener Hand ein armes Weib durchprügeln und nach Spandau ſchicken, das nur ein altes, baumwollenes Tuch an ſich trug. Geſchwinde, ent⸗ ferne Dich, bevor der König oder ein liebedieniſcher Angeber den eigentlichen Stoff Deines Kleides bemerkt.“

Voll Beſtürzung that die Frau, was ihr geheißen wurde.

Nachdem ſie verſchwunden war, kehrte der Bärenführer zu

Eversmann zurück.

„Meine Frau,“ ſprach er zu dem Letzteren,„hat mir ſehr richtig vorgeſtellt, daß die außerordentlichen Künſte unfrer jungen Bären uns einen reichlichen Unterhalt gewähren und darum faſt unbezahlbar find.“

„Oho!“ ſagte hier Eversmann.„Junge Bären kann man dutzendweis und für ein Billiges bekommen und ſie ohne ſonderliche Mühe abrichten. Schwerlich dürftet Ihr in Euerm Leben einen ſo guten Käufer zu Euern kleinen Beſtien wiederfinden, wie unſere Majeſtät iſt.“

„Nur dem Könige zu Liebe und ſeinen Unwillen nicht auf uns zu laden,“ verſetzte der Bärenführer,„kann ich mich nebſt meinem Weibe zu dem Verkauf entſchließen. Ohne den alten Bären aber verkaufen wir die jungen nicht, und 500 Thaler für alle drei iſt gewiß kein zu großer Kauf⸗ ſchilling.“

„So hoch kommen dem König nicht drei Recruten von gewöhnlichem Schlage zu ſtehen,“ erwiederte Eversmann, und dieſe ſind vernünftige Menſchen!“

„Aber keine Seiltänzer,“ entgegnete der Bärenführer,