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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Wer von den zahlreicheren Zuſchauern, anſtatt auf die vierbeinigen Seiltänzer, auf das Weib des Bärenführers hingeblickt hätte, würde bemerkt haben, daß deren Aufmerk⸗ ſamkeit mit ängſtlicher Spannung an den Bewegungen der jungen Bären hingen und daß, ſo oft dieſe einen Stockſtreich für eine mißlungene Kunſtausführung von ihren Herrn zu⸗ getheilt bekamen, ein ſchmerzlicher Zug über ihr bleiches, abgemagertes, noch Spuren einſtiger Schönheit an ſich tra⸗ gendes Geſicht hinſtrich.

Der König winkte jetzt ſeinen Kammerdiener zu ſich heran und richtete einige Worte an ihn, worauf Eversmann ſich an den Bärenführer mit den Worten wendete:„Der König, mein allergnädigſter Herr, läßt Euch fragen, ob Euch die beiden Bärenbeſtien feil ſind und wie viel Ihr dafür fordert?“

Der Bärenführer warf erſt einen forſchenden Blick auf ſein entfernt von ihm ſtehendes Weib, das noch immer ihren Blick auf die beiden jungen, von ihrer Kunſt ausruhenden Bären gerichtet hielt, ehe er dem Frager antwortete:„Da meine Frau hauptſächlich die jungen Bären zum Seil⸗ tanzen abgerichtet hat, ſo darf ich ohne ihre Einwilligung jene nicht verkaufen. Ich gehe, ſie zu befragen, hoffe aber

auf ihre Zuſtimmung.“

Hierauf näherte der Bärenführer ſich ſeiner Frau und

ſagte mit gedämpfter Stimme zu ihr:„Unglückliche, was

haſt Du gethan? Willſt Du Dich dem Zorne des Königs ausſetzen, uns um die verhoffte Belohnung bringen und auf die Feſtung wandern? So eben machte mich des Königs vertrauter Kammerdiener darauf im Stillen aufmerkſam,

„