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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Jetzt trat Eversmann, des Königs erſter und beliebteſter Kammerdiener, zu demſelben heran und ſprach:

„Ew. Majeſtät, es iſt ein Bärenführer mit einem aus⸗ gewachſenen Bären und zwei jungen angelangt, welcher um die hohe Gnade bittet, die außergewöhnlichen Kunſtfertig⸗ keiten ſeiner abgerichteten Thiere vor Ew. Majeſtät und inſonderheit vor allerhöchſtdero königlichen Kindern zeigen zu dürfen. Die beiden jungen Bären,“ fuhr Eversmann raſcher fort, als er den König eine abwehrende Hand⸗ bewegung machen ſah,„ſollen, nach ihres Beſitzers Ver⸗ ſicherung, ſtaunenswerthe Künſte auf dem geſpannten Seile ausführen.“

Eversmann kannte alle ſchwachen Seiten ſeines könig⸗ lichen Herrn, zu welchen auch das Schauſpiel der Seiltänzer⸗ künſte gehörte, genau, und da ihm jedenfalls von dem Bärenführer ein Theil des zu verhoffenden königlichen Gnaden⸗ geſchenks zugeſichert worden war, ſo that er das Seinige, um das Geſuch des Bärenführers zu unterſtützen.

Nachdem der König ſeine Zuſtimmung gegeben, erſchien der Bärenführer in Begleitung ſeines Weibes, um zunächſt das Seil über zwei niedrige, mitgebrachte Kreuzböcke ſtraff aufzuſpannen und an beiden Enden zu befeſtigen. Nachdem ſolches bald geſchehen war, holte er ſeine drei Bären herbei, die erſt, unter den Klängen der von dem Weibe gerührten Trommel und Pfeife, nach dem Befehle ihres Herrn die gewöhnlichen Künſte ausführten. Den Schlußpunct machten die auf dem Seile dargeſtellten Leiſtungen der zwei jungen Bären, von denen namentlich die des etwas größeren, als von unvernünftigen Thieren, gerechtes Staunen verdienten.

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