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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Warum rennt Sie vor mir davon, als brenne Ihr der Kopf oder als wäre ich der Teufel ſelbſt? Hat Sie geſtohlen oder ſonſt etwas Uebles gethan? Heraus mit der Sprache, oder ich werde Ihr mit meinem ſpaniſchen Rohr die Zunge löſen.

Ach nein, Ew. Majeſtät, antwortete das zitternde Weib.Ich habe nichts Unrechtes begangen, nur reife Brombeeren in die Hofküche getragen und verkauft.

Wenn das wahr iſt, weshalb flieht Sie vor mir wie vor einer giftigen Schlange, he? Bin ich ein Tyrann? ein Menſchenſchinder, he?

Ach nein, Ew. Majeſtät! Sie ſind der liebſte, gnädigſte Herr von der Welt. Nur aus Ehrfurcht vor Ihrer gehei⸗ ligten Perſon ging ich Ew. Majeſtät aus dem Wege.

Nicht ging lief ich will Sie ſagen. Und aus Ehrfurcht läuft man nicht, ſondern bleibt eher ſtehen. Doch was ſehe ich? Ha! laſſe Sie doch Ihr Halstuch anfühlen. Ei, nun wird mir Ihre Flucht vor mir klar. Ein baum⸗ wollenes Tuch trägt Sie ja an ſich! Baumwollenes Zeug, das ich in meinen Landen auf das Strengſte verboten habe! Ha, und wie frech! An meinen Hof, in meine unmittelbare Nähe mit baumwollener Waare zu kommen! Nach Spandau auf die Feſtung mit Ihr, und als Lauf⸗ paß will ich Ihr eine Tracht Prügel mitgeben.

Wirklich erhob der König ſein Rohr zum Schlagen.

Als die furchtſam hinter ihrem Verſteck hervorlugende Prinzeſſin die Drohworte ihres Vaters vernahm und den zum Zuſchlagen ausholenden Stock wahrnahm, ſo überwand

ſie ſchnell ihre eigene Furcht vor dem väterlichen BZorne und