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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Zweites Kapitel.

Wuſterhauſen.

Der König von Preußen, Friedrich, welcher der Erſte genannt wird, weil er der Kurwürde von Brandenburg die preußiſche Krone hinzufügte, war im Jahre 1713 geſtorben und ſein Sohn, bekannt durch ſeine Vorliebe für lange Männer und das Tabakrauchen, an die Regierung gekommen. Mit deſſen Thronbeſteigung wurde Alles ſoldatiſch am Kö⸗ nigshofe eingerichtet. Des neuen Königs Vertraute und Günſtlinge waren der Fürſt von Anhalt, der General von Grumkow und der Finanzminiſter Craup. Des Königs Lieblingsaufenthalt im Sommer war das Schloß Wuſter⸗ hauſen, wo er mit ſeiner Familie das einfachſte Leben führte, daher man ihn übertriebener Sparſaukeit, ja ſelbſt des Geizes beſchuldigte.

An einem warmen Junitage des Jahres 1715 ſchritt eine noch ziemlich junge, nach damaliger Mode gekleidete Frauensperſon in Begleitung einesſ ſechsjährigen Mädchens und eines dreijährigen Knaben durch die Gänge des könig⸗ lichen Gartens zu Wuſterhauſen. Die beiden Kinder waren die des Königs, und zwar die im erſten Kapitel bereits er⸗ wähnte Prinzeſſin Wilhelmine und deren Bruder, der nach⸗ herige Friedrich der Große. Letzterer ſah ſchwächlich aus und fehlten ihm die jugendliche Munterkeit und Heiterkeit. Die Begleiterin der beiden Kinder war ein Fräulein Léti, die Erzieherin der Prinzeſſin Wilhelmine, die ſie eben nicht als eine ſolche behandelte.