von einer wird uns die Zahl der Kanonenſchüſſe ſagen.“
Mit lauter Stimme zählte der Mann die Schüſſe. Nach⸗ dem mit einundzwanzig Wiederholungen derſelben es wieder ſtill geworden war, ſprach jener:„Alſo eine Prinzeſſin! Hm! lieber würden es der König, wie der Kronprinz, geſehen haben, wenn es ein Prinz und Stammhalter des jungen preußiſchen Königthums geweſen wäre. Demohnerachtet wird große Freude an dem Königshofe ſein. Mir iſt,“ fuhr er bitter fort,„ebenfalls eine Prinzeſſin geboren worden, doch Nie⸗ mandem iſt es beigefallen, zu ihren Ehren einen Schuß ab⸗ zufeuern. Nicht einmal aus einer Schlüſſelbüchſe! Denn Du biſt,“ ſprach er zu dem ſchlummernden Wiegenkinde ge⸗ wendet,„nicht einen Schuß Pulvers werth.“
B. Dieſe harte, das Mutterherz tief verletzende Rede lockte bittere Schmerzensthränen aus den geſchloſſenen Augen der Frau hervor. Dieſelbe nahm ſich vor, durch verdoppelte Mutterliebe ihrer Neugeborenen die fehlende ihres Vaters zu erſetzen.
Der gnädige Herr war ein heſſiſcher Edelmann, Namens von Meſſenbach, dazu ein Abenteurer, ein Spieler und da⸗ her eine Raubbiene, die ſich von dem Fleiße und Schweiße ihrer arbeitſamen Kameradinnen ernährt. Mittellos war er nach Berlin gekommen und da ſich hier nicht ſobald ein lohnender Erwerbszweig für ihn gefunden hatte, ſo befand er ſich mit ſeiner Familie, aus Frau und drei Kindern be⸗ ſtehend, in den dürftigſten Verhältniſſen. Das am Anfange
der Erzählung erwähnte Mädchen vertrat die Stelle einer Aufwärterin und ſtammte aus der niedrigſten Volksklaſſe her.


