146
gen ſeiner Frau, bewogen zuletzt doch den Burgverwalter zur Flucht. Als er mit Frau und Enkelin nebſt ſeiner kleinen Habe davonſchiffte, ſprach der Graf mit dem Spotte der Verzweiflung zu ſeinem Rendanten:„Sieh da, Roloff! unſer Schiff wird nächſtens unterſinken, die Ratten verlaſſen daſſelbe bereits. Willſt du nicht auch die Flucht ergreifen?“
Der Rendant antwortete hierauf nur durch einen ſprechenden Blick auf ſeinen lahmen, noch immer nicht geheilten Schenkel und durch ein Schwenken ſeiner beiden Kruͤcken.
„Wohl!“ verſetzte der Graf.„Das iſt rechtſchaffen von dir gedacht. Wir haben zuſammen die Suppe ein⸗ gebrockt, darum iſt's auch billig, daß wir ſie zuſammen auseſſen.“
„Wie iſt's aber um den Fiſcher und deſſen Kind?“ fragte Roloff düſter.„Sollen ſie, nachdem Alle gegan⸗ gen ſind, nicht gleichfalls die Burg verlaſſen?“
„Nein!“ entgegnete der Graf hart.„Wäre der
Fiſcher und ſein Bube nicht geweſen, ſo wäre Alles an⸗ ders und beſſer für uns gekommen. Hätteſt du den Fiſcher nicht als deinen Sendboten ausgeſchickt und ſeinen Bu⸗ ben als Unterpfand hier zurückbehalten; ſo würde es dem Prinzen nimmer beigekommen ſein, aus der Schornburg zu entrinnen. Ja, Roloff, dein Mißtrauen in mich, deine Falſchheit, welche dich zu jenem Schritte der Undankbar⸗ keit verleitete, haben uns die Grube gegraben, in welche wir beide eheſtens fallen werden.“
——
.


