„Im Nachbarſtaate iſt großer Jubel und Freude. Der geraubt geweſene Prinz iſt wieder erlangt worden. Man rüſtet ſich bereits, um den Räuber in der Schornburg zu ergreifen und zur ſchweren Strafe zu ziehen. Fliehet, ehe es zu ſpät wird!“
Das war kein Oelblatt des Friedens.
Der Burgverwalter war erſt mit ſich im Streite, ob er die Schreckensbotſchaft ſeinem Herrn überbringen oder lieber mit Frau und Enkelin heimlich die Burg verlaſſen ſollte. Bald jedoch ſiegte die ſklaviſche Furcht vor dem Grafen und vor deſſen Rache, dafern derſelbe den Flucht⸗ verſuch entdecken würde.
Als Mutz mit bebender Hand ſeinem Burgherrn das verhängnißvolle Papier überreicht und dieſer es überleſen hatte, ſchlug der Graf eine laute, fürchterliche Lache auf.
„Nun wird's luſtig hier werden,“ ſprach er ſpöttiſch, „und unſere Langweile mit einem Male vergehen. Du zitterſt, Mutz? Ich lache. Aber ich erlaube dir, dich mit den Deinen von hier fortzupacken; denn ich haſſe nichts mehr als furchtſame Haſenherzen in meiner Nähe. Ich laſſe dir eine halbe Stunde Bedenkzeit. Marſch! und be⸗ ſprich dich mit deiner Ehehälfte über das, was du thun ſollſt und willſt.“
Mutz, welcher nichts als eine bloße Vermuthung von dem begangenen Prinzenraube und der Strafbarkeit ſeines Herrn hatte, war anfangs entſchloſſen, auf ſeinem Poſten auszuharren. Das Wegbleiben der alten, ſonſt ſo treuen
Anke und eine unerklärliche Angſt jedoch, ſo wie das Drän⸗ 10


