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Der Prinzenraub : eine Jugend-Erzählung / von Gustav Nieritz
Entstehung
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etwas milder geſinnt gegen ſeine beiden kleinen Gefange⸗ nen, deren oft überlautem Treiben er theils mit unge⸗ wöhnlicher Nachſicht zuſchaute, theils aus dem Wege ging.

Als nach den rauhen Winterſtürmen und den lan⸗ gen, traurigen Nächten die Natur ihr weißes Trauerkleid wieder ablegte, der See ſeine Eisdecke zerſprengte und die Sonne wärmer ſchien; als der Lenz die Fluren und den Hain in Grün kleidete, die Fruchtbäume mit weißen Blü⸗ then zierte, die Wieſen mit einem bunten Teppich überzog und die Lüfte mit ihren jubilirenden Sängern belebte: da fand Primſel eines Tages nach langem, vergeblichem Su⸗ chen ſeinen kleinen Freund in einem entlegenen Winkel des Burggartens und in Thränen ſchwimmend.

„Hat dir Babet ein Leid angethan?“ fragte Primſel beſorgt.

„Die ſollte nur!“ entgegnete Jonas, indem er ſeine Fauſt drohend ballte.

„Warum aber weineſt du?“ fuhr Primſel fort.

„Kannſt du noch fragen?“ antwortete Jonas, wobei er ſeine Arme, wie um fliegen zu wollen, durch die Luft ſchwang.„Siehſt du, wie dort oben die Schwalben mun⸗ ter umherfliegen und ihre alten Neſter wieder in Beſitz genommen haben? Schau den Storch auf dem Dache, wie er ſtolz einherſchreitet!“

„Nun ja! Aber was ſoll das bedeuten?“ fragte Primſel.

„Aber mein Vater iſt nicht wieder gekommen!“